stadt_potenziale

Die 47hStadt

ein Projekt von Markus Blösl
stadt_potenziale 2008, Fördersumme: € 1.700,–
Die 47hStadt. Fotos: Markus Bösl
Die 47hStadt. Foto: Markus Bösl
… hier wird die urbane Frage neu diskutiert: Wie wollen wir in unserer Stadt leben? Was fehlt? Welche Formen von Gemeinschaft sind uns wichtig? Wie funktioniert Stadtentwicklung mit geringen Mitteln?

[2006] Die Maria-Theresien-Straße soll ihrer Bedeutung für IBK gerecht werden: Ein atmosphärisch reicher, städtischer Ort soll entstehen, der einlädt zum Spazieren, Verweilen, Begegnen. alleswirdgut, Architekten des geladenen Wettbewerbs der Stadt Innsbruck

[2007] Jugendliche haben die „Sitzmöbel" zum Feiern genutzt. Weil dabei aus der Sicht der Stadtpolitiker zu viel Alkohol konsumiert und gelärmt wurde, ließ sie die Sitzmöbel entfernen.
Der Standard, Hannes Schlosser

[2007] Jetzt ist Schluss mit lustig. Die freien Sitzmöbel seien entfernt worden, denn besonders dort hätten sich viele Verunreinigungen befunden. Sauberkeit ist der kleine Bruder der Sicherheit.
Christoph Platzgummer, Vizebürgermeister in Innsbruck

Jugendliche sind Seismographen für eine gesellschaftliche Umstrukturierung, die öffentliche Räume reserviert, um Aneignungen zu verhindern.
Die 47hStadt. Foto: Markus Bösl
Die 47hStadt. Foto: Markus Bösl
Die 47hStadt

hinterfragt die Authentizität von öffentlichen Räumen, Nachrichten und Meinungen, um die Stadt, ihre sozialen Funktionen und die Art und Weise, wie wir unsere Stadt „benutzen“, neu zu durchdenken. Wie neue Ansätze in der Stadtentwicklung durch Selbstgestaltung und Besetzung des urbanen Raums aussehen können, soll gemeinsam mit der Innsbrucker Bevölkerung abseits von Kommerzialisierung nachgegangen und öffentlich verhandeltwerden.

Stadtcollage

Durch eine Vielzahl subjektiver, persönlicher, kollektiver oder offizieller Meinungen entstehen Bedeutungen von Stadt. Das Innsbrucker Verkehrsnetz wird zum mobilen Labor, in dem Fragen zum persönlichen Stadterleben gestellt, diskutiert und gesammelt werden, und sei es nur die banale Frage, wie viele Haltestellen Zeit dafür ist.

Jeder Fahrgast hat die Möglichkeit, als subjektiver Experte Antworten zu geben oder Fragen zu stellen.

Alle Antworten und Fragen werden auf unterschiedlichen Fahrstrecken und Fahrzeiten gesammelt, um kreuz und quer durch Innsbruck zufällige Begegnungen und Gespräche zu haben. Mit diesen Daten entstehen sozialgeographische Knotenpunkte im Innsbrucker Stadtraum, in dem kleine Gassen viel größeres Gewicht erhalten können als eine Hauptverkehrsstraße.

Diese bilden eine Auswahl von Orten für eine Intervention, die für eine inszenierte Öffentlichkeit, eine Stadtcollage steht. Ein entsprechender Ort wird mit der 47hStadt aufgeladen.

Die 47hStadt

ist die künstlich verdichtete Stadtcollage, eine interaktive Installation in allen Maßstäben, ein begehbarer Bastard im öffentlichen Raum, um Kunstwerk und Stadtutopie eins werden zu lassen. Die 47hStadt projiziert die öffentliche Wahrnehmung städtischen Lebens in einen neuen, selbst geschaffenen Kontext, in denen soziale Experimente für WGs, Volksküchen und -reden eingefügt sind.

Das Material für diese Installation hat ein Vorleben: Nicht mehr benötigte Gebrauchsgegenstände und Möbel, Dinge aus dem privaten Leben, gestapelt als Sperrmüll auf öffentlichen Straßen und Plätzen, werden eingesammelt und entsprechend den Zukunftsideen und Wunschphantasien für Innsbruck in die 47hStadt transformiert. Die eingesammelten Gegenstände sind narrativ mit ihren Besitzern verbunden und schaffen dadurch spielerisch eine räumliche Illusion der Personifizierung des Urbanen.

Die 47hStadt steht der Öffentlichkeit, aus der die Installation generiert wurde, zur Probenutzung 47 Stunden zum öffentlichen Handeln bis zur Erfüllung alltäglicher Bedürfnisse frei. Die Grenzen zwischen privater Intimität und Öffentlichkeit werden dadurch permeabel. Vielleicht führt dies zu einer Theorie der „Stadt als Wohnung“, was keine schlechte Perspektive wäre, aber vor allem geht es um eine selbst geschaffene Form des Sozialen. Denn der Werdegang von Städten und Stadtteilen ergibt sich aus den Wertvorstellungen und Visionen, die unsere Gesellschaft mit ihnen verbindet.