stadt_potenziale

Stimmen unserer Stadt

ein Projekt von R&W Kunstvermittlung
stadt_potenziale 2008, Fördersumme: € 3.000,–
Durchführung: 05–09/2008
Stimmen unserer Stadt. Fotos: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Projektbeschreibung

Stimmen unserer Stadt beschäftigt sich mit akustischen Reizen und Klangsituationen im Lebensumfeld von Jugendlichen. In zweitägigen Workshops am 26./27. Mai und 2./3. Juni lernen junge AsylwerberInnen und Lehrlinge der Supermarktkette M-Preis ausgehend von der Ausstellung Voice&Void in der Galerie im Taxispalais Positionen kennen, welche die menschliche Stimme in der Kunst thematisieren. Darauf aufbauend, wenden sie die künstlerischen Strategien in einer Soundrecherche in dem für sie typischen Umfeld im öffentlichen Raum bzw. in ihrem Betrieb an.

Zusammen mit dem Soundkünstler Chris Martinek wird das gefundene Material zu persönlichen Klangstücken verarbeitet, die in einer interaktiven Klanginstallation präsentiert werden.

Am 10. September 2008 findet im Rahmen des Klangspurenfestivals eine öffentliche Abschlusspräsentation zusammen mit anderen Jugend- und Lehrlingsprojekten aus der Projektreihe lebens:bildungs:arbeits:welten im Kulturlabor Stromboli in Hall in Tirol statt. Dadurch wird eine wichtige Plattform geboten, die einerseits das Selbstverständnis und -vertrauen der AsylwerberInnen stärkt und andererseits die Möglichkeit eines interkulturellen Austausches bietet, sowohl zwischen den Teilnehmenden als auch zwischen ihnen und den Stadtbewohnern, denen ein unmittelbarer Zugang zu den für sie vielleicht fremden Welten der Flüchtlinge und Lehrlinge eröffnet wird.

Die Durchführung des Projektes wird durch das Kulturamt der Stadt Innsbruck im Rahmen von „stadt_potenziale 08“, der Kulturabteilung des Landes Tirol und Kulturkontakt Austria gefördert.
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Durchführung

1. Tag
Der erste Tag ist in zwei größere Blöcke á 4h geteilt: Vorstellung des Projektes, der teilnehmenden Lehrlinge und des Kulturvermittlers in der Galerie im Taxispalais. Mittels eines auf die Bedürfnisse der Asylwerber abgestimmten pädagogischen Programmes wird die Ausstellung Voice&Void (Galerie im Taxispalais, 19.04.-08.06. 2008) begangen. Voice&Void zeigt Positionen internationaler KünstlerInnen, die sich mit dem Thema „Stimme“ in der bildenden Kunst auf unterschiedlichste Weise auseinandersetzen. Mittels eingehenden Kunstgesprächen und praktischen Übungen werden die Jugendlichen für das Thema sensibilisiert.

Im zweiten Teil sollen die Jugendlichen, auf den gewonnenen Eindrücken aufbauend, selbst tätig werden. Sie erhalten Aufnahmegeräte, suchen jene Stimmen und Töne, die in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld wichtig und charakteristisch sind und halten sie fest. Besonderes Augenmerk liegt auf der möglichen Differenz zwischen den akustischen Umfeldern der verschiedenen Kulturen. Der ganze Tag wird von einem Kunst- und Kulturvermittler und einem Künstler begleitet.

2. Tag
Chris Martinek (DJ, Produzent) öffnet sein Studio im Kulturlabor Stromboli. Die Jugendlichen werden mit der Arbeitsweise des Künstlers bekannt gemacht. In der Folge entstehen unter professioneller Anleitung des Medienkünstlers aus dem am Vortag aufgenommenen Material kleine, persönliche „Soundpieces“, die in entsprechender Form medial festgehalten werden.

Einen weiteren Input erfahren die Asylwerber durch Karla Zelder,  Sozialarbeiterin mit Asylwerbern und Musikpädagogin, die auf dialogischer Ebene kulturelle Schlüsselkompetenzen schärft und zum interkulturellen Dialog anregt.

Zum Zwecke einer öffentlichen Präsentation, entwickeln die Jugendlichen adäquate Formen, um ihre Tonstücke als Rauminstallationen zu präsentieren.
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Ziele und Schwerpunkte 

Ziel des Projektes ist es, die Jugendlichen ausgehend von ihrem persönlichen Lebensumfeld an für sie noch unbekannte Ausdrucksformen heranzuführen. Zeitgenössische Kunst wird für viele der teilnehmenden Jugendlichen ein unbekanntes Terrain sein. Durch die gezielt eingesetzten Eigenaktivitäten wird die Hemmschwelle jedoch abgebaut und die Vielfalt möglicher kreativer Ausdrucksformen aufgezeigt. Das genaue und bewusste (Hin-)Hören schärft Sinne, die in Zeiten akustischer Dauerbelastung, sowohl im privaten als auch im betrieblichen Umfeld, abzustumpfen drohen. Die aus verschiedenen Kulturen stammenden Töne und verschiedenen Sprachen werden Fragen aufwerfen, die ein Interesse am Anderen und vielleicht Fremden wecken können. Ein unmittelbarerer Blick in das Lebensumfeld des Anderen wird möglich. Die geweckte Neugierde kann im Idealfall Ausgangspunkt weiterführender interkultureller Kontakte sein.

Neben dem kommunikativen Aspekt eines in Gruppenarbeit entstehenden gemeinschaftlichen Produktes sowie der Auseinandersetzung mit der eigenen und der anderen Stimme, bekommen die jungen Leute auch Einblicke in die Handhabung der technischen Geräte und die Funktionsweisen eines Tonschnittprogrammes. Nicht zuletzt wird der spezielle Zugang des Künstlers an ein Projekt den Jugendlichen kreative Problemlösungsätze aufzeigen, die sie wiederum in ihr persönliches und später auch berufliches Umfeld integrieren können.

Zusammenstellung der Teams
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Methode 

Besuch der Ausstellung, dialogischer Austausch und praktische Übungen unter Leitung des Kunstvermittlers und Künstlers. Begleitung und Hilfestellung bei Aktivitäten im öffentlichen Raum.

Gestaltung eines Artefaktes mit dem Medienkünstler, die Eigenaktivität und Kreativität der Lehrlinge fördernd. Der Künstler stellt seine persönliche Arbeitsweise vor.

Inputs durch eine Expertin aus dem Sozialbereich, die als positives „role model“ fungieren soll und die Jugendlichen im Hinblick auf die Stärkung ihrer Schlüsselkompetenzen zu kreativem und kommunikativen Handeln anregt. 

Ideen für eine regionale Präsentation aller Projekte in der Region

Gemeinschaftliche, öffentliche Präsentation im Rahmen des Klangspurenfestivals 08 im Kulturlabor Stromboli in Form von Performances und Installationen am 10. September 2008.
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander
Stimmen unserer Stadt. Foto: Robert Gander