stadt_potenziale

Tracks&Visuals

ein Projekt von DJ Meister
stadt_potenziale 2008, Fördersumme: € 3.000,–
Durchführung: 2009, 2010, 2011

Tracks&Visuals. Grafik: DJ Meister
1. Was heißt hier eigentlich VJ?

Ein DJ mischt Musik. VJs mischen Filme, Videoclips, Fotos, Grafiken. Dieser visuelle Mix, der live entsteht, ist nicht wiederholbar und wird als Visual bezeichnet. Ein/eine VJ übersetzt die Musik in Visuals, orientiert sich am Rhythmus, an der Melodie der Musik. Der/die VJ ist eine MalerIn, eine FotografIn, ein Filmschaffende(r), eine GrafikerIn … VJs arbeiten mit verschiedenen Künsten und dadurch entsteht eine neue Kunstform.

In der Frühzeit des VJing haben sich die Arbeitsweisen der DJ/VJ KünstlerInnen überschnitten. So finden sich selecting, crossfading, scratching, cutting und sampling als elementare Gestaltungstechniken. Durch den immensen Fortschritt der Computertechnologie in den letzten Jahren ist eine unüberschaubare Menge von neuen Methoden wie selbstprogrammierte Filtersysteme oder Arbeitsoberflächen, radikale Methoden zur Bildnachbearbeitung, innovative Projektionssysteme u.v.a. entstanden. Manche VJs konzentrieren sich auf die Manipulation von vorgegebenen Videos, Filmen und Icons, andere arbeiten an soundbegleiteten themenorientierten Collagen, andere wiederum erforschen die Möglichkeiten des Einbindens neuer Arbeitsweisen und Präsentationstechniken, etwa durch die Programmierung eigener Bild- und Videosynthesizer.

Losgelöst vom Klubkontext, in dem diese Kunstform entstanden ist, wird das VJing zur audiovisuellen Kunst. Audiovisuelle Kunst ist in der Medienkunst verankert. Sie kombiniert akustische und visuelle Kunstformen miteinander. Ihre Intention ist ein synthetisches Modell, in dem Bilder klingen und Akustik sichtbar wird - zusammengeführt in einem Raumgefüge, das dieses Erlebnis für den Betrachter unterstützt und ungewöhnliche Formen der ästhetischen Wahrnehmung ermöglicht.

Der/die VJ unterscheidet sich vom audiovisuellen Künstler durch die Fokussierung auf die Performance. Audiovisuelle Künstler kreieren im Allgemeinen ihre eigenen Formen und Inhalte, während es durch die Arbeitsweise der VJs möglich wird, bereits vorhandene Kunst- und Kulturelemente zu kommentieren, neu zu arrangieren oder neu zu interpretieren.

Der besondere Reiz dieser neuen Kunstsituation ist das Nichtvorhersehbare und das Überraschende, die Unfälle, Fehler und Zufälle, die in den Schaffensprozess während der Liveperformance eingebunden werden, um die Dynamik der kreativen Prozesse zu verändern.

2. VJanes für Innsbruck

Seit Jahren gibt es in Innsbruck und Umgebung eine Menge an jungen KünstlerInnen, oft AbsolventInnen der entsprechenden Hochschulen in Salzburg und Linz, die sich in ihrer Arbeit mit dem Thema audiovisuelle Liveperformance als Kunstform auseinandersetzen. Trotzdem hört man von diesen KunstproduzentInnen in Tirol relativ wenig bis gar nichts, wenn man nicht als Kulturveranstalter das Glück hat, beizeiten mit „Promomaterial“ beschenkt zu werden.

Die Gründe hierfür sind recht einfach zu finden. Die VJ/DJ Kunst, sprich: die nicht vorhergeplante Kombination aus audiovisuellen Kunstelementen ist eine Kunstform, die im Diskurs noch nicht so richtig vorhanden ist. Darum gibt es auch keine Netzwerke und keine Szene für die verschiedenen KünstlerInnen. Es gibt nichts, wo man als engagierte VJane hingeht und es gibt auch nichts, wo man als engagierte VJane dabei ist. Zumindest bei uns im Alpenland. In Innsbruck gibt es zwar schon VJanes, und zwar jede Menge, aber leider keine Szene, und viel zu wenig Selbstbewusstsein über die eigene Arbeit bei den KünstlerInnen.

Der geplante VJ/DJ Contest hat in erster Linie die Aufgabe, Öffentlichkeit für diese junge Kunstform zu schaffen. Nicht nur für das Publikum, dessen Aufmerksamkeit auf die lokale Entwicklung der audiovisuellen Kunst gelenkt werden soll, sondern auch für die Video- und MusikkünstlerInnen, die zwar schon machen, was sie machen, aber noch nicht immer genau wissen, wo sie denn mit dem, was sie machen, denn eigentlich hingehören.

Die Arbeitsweise der VJs, die in der Clubkultur entstand, wird durch den Contest aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst, um verstärkt auf den Kunstcharakter der Arbeit der VJs hinzuweisen. Erhalten bleiben soll allerdings das Wechselspiel mit DJ bzw. dem Live Act, denn bei diesem Contest soll nicht die Fähigkeit bewertet werden, Musikvideos herzustellen, dafür gibt es bereits genügend Plattformen, sondern die Fertigkeit des künstlerischen Umgangs mit den audiovisuellen Medien in der Performancesituation.

3. DJ/VJ Battle?


Dj Battles sind im Hip Hop eine der üblichen Formen des Wettstreits und eine der Wurzeln der Form, die diese Kultur heute angenommen hat. Hier wird von der Fangemeinde ermittelt, wer die besten Skills an den Turntables hat, wer die besten und seltensten Platten kennt und spielt, und wessen Gesamtauftritt den am meisten authentischen Stil und die glaubwürdigste Street credibility bringt.

Das Battling wird beim DJ/VJ Contest von der sprachlichen auf die visuelle Ebene übertragen. Nicht mehr die musikalischen Fähigkeiten des DJ, oder die sprachlichen des MC, sondern die visuellen Gestaltungsfähigkeiten der audiovisuellen KünstlerInnen treten in der Contestsituation zu Tage. Die Performancesituation zeigt nicht nur die produktionstechnischen Fähigkeiten der KünstlerInnen, das „Spielen“ mit dem Material, sondern auch den inhaltlichen Teil, die „Inspiration“, die Vision des Gesamtbilds und den inneren Zusammenhang des entstehenden Kunstmoments.

Rein technisch findet der Contest als DJ/VJ Battle vor einer Jury statt, die sich aus vier MedienkünstlerInnen zusammensetzt. Die jeweiligen KünstlerInnengruppierungen erhalten zwischen 5 und 15 Minuten Zeit, einen live konstruierten audiovisuellen Stream zu erschaffen. Nach jeweils 2 Teams entscheidet die Jury mit einer kurzen Begründung, wer die Battle gewonnen hat. Bei Unentschieden der Jury entscheidet das Publikum per Abstimmung. Der Sieger steigt in die nächste Runde auf. Dies geht solange, bis am Ende der Veranstaltung ein KünstlerInnenteam als Gesamtsieger feststeht.

Durchführung
Tracks&Visuals wurde drei Mal – 2009, 2010 und 2011 – durchgeführt. Preisträger waren u. a. gabsmrt, bernard& wolfi, testphase feat. irridation, sehtest vs. oranshee,  brandlmayr und nardo, Hannes&Oskar, 1n0ut.

Tracks&Visuals 2010 auf YouTube
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