stadt_potenziale

„Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung“ – easyVote in der Fußgängerzone Innsbrucks

ein Projekt des Departments für öffentliche Erscheinungen
stadt_potenziale 2010, Fördersumme: € 5.000,–
Durchführung: 03–05/2010
easyVote. Fotos: Department für öffentliche Erscheinungen
Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung, Ausstellungsansicht. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
Projektbeschreibung – Hintergrund

Das inflationäre Angebot von Abstimmungsmöglichkeiten in Hörfunk und Fernsehen, in Print- und Onlinemedien, bei denen ZuschauerInnen und LeserInnen ihren Superstar, ihre Lieblingseissorte oder das Tor des Monats wählen, banalisiert die Grundidee demokratischer Mitbestimmungsprozesse. Das Vorgehen wird von Marketinginteressen bestimmt und hat selten Einfluss auf Entscheidungsprozesse.Als Reaktion auf diese Entwicklung hat das Department für öffentliche Erscheinungen easyVote, ein praktisches, flexibel einsetzbares Abstimmungsverfahren für den öffentlichen Raum entwickelt. Jenseits von Ausschlussmechanismen und ohne Zeitbeschränkung befragt das Department mit easyVote NutzerInnen im Stadtraum zu aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen. Das Department schafft mit easyVote ein Angebot für Mitbestimmung im öffentlichen Raum.

Wie funktioniert easyVote?

easyVote besteht aus einem dreispurigen Durchgang, über dem die zur Abstimmung stehende Frage installiert ist. Die drei, durch Bodenmarkierung voneinander getrennten Spuren sind den zur Auswahl stehenden Antworten zugeordnet. Alle VerkehrsteilnehmerInnen sind eingeladen, sich für eine Spur zu entscheiden und mit dem Durchschreiten bzw. Durchfahren ihre Stimme zählen zu lassen.

Mit der Ausweitung von easyVote auf alle VerkehrsteilnehmerInnen und der Anpassung an die unterschiedlichen Verkehrssituationen bezieht easyVote alle NutzerInnen des öffentlichen Raums in die Stimmabgabe mit ein. easyVote belebt die partizipatorische Funktion des öffentlichen Raums und bietet die Möglichkeit für Diskussionen, Begegnungen und Kommunikation zwischen den beteiligten Menschen vor Ort. Mitbestimmung wird zum öffentlichen, gemeinschaftlichen Handeln.

easyVote – Durchführung

Viertägige Aktion in der Innsbrucker Altstadt, 17. bis 20. März 2010, und Department-Ausstellung Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung, Stadtturmgalerie Innsbruck, 17. März bis 8. Mai 2010.

Zur Eröffnung der Ausstellung Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung in der Stadtturmgalerie Innsbruck installiert das Department für öffentliche Erscheinungen in der Innsbrucker Altstadt eine easyVote-Station.

PassantInnen sind eingeladen, über die Frage „Gefährdet eine öffentliche Debatte über die negativen Auswirkungen des Tourismus einen möglichen Aufschwung?“ abzustimmen. Inmitten der Innsbrucker Fußgängerzone fordert easyVote die Öffentlichkeit auf, sich für eine Antwortspur zu entscheiden und mit dem Durchschreiten ihre Stimme zählen zu lassen. Die anonym an der Abstimmung teilnehmenden PassantInnen werden in dem Augenblick sichtbar, in dem sie für ihre Meinung eintreten. Im performativen Akt der Stimmabgabe wird easyVote zu einer Bühne im öffentlichen Raum.

Zusätzlich zu der Abstimmung bietet das Department die Möglichkeit, auf verteilten Aufklebern mit persönlichen Kommentaren Stellung zu der gestellten Frage zu beziehen. Die ausgefüllten Sticker werden von den TeilnehmerInnen an den Wänden der Stadtturmgalerie angebracht und ergeben eine Kommentar-Sammlung, die sich im Ausstellungsraum immer weiter ausbreitet.

www.department-online.de
www.easyvote-online.de
Video zu easyVote auf www.easyvote-online.de
easyVote in Innsbruck. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
easyVote in Innsbruck. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
easyVote in Innsbruck. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
easyVote in Innsbruck. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
Reaktionen auf easyVote

Wolfgang Ullrich: „Da sich viele Bürger nach wie vor schwer damit tun, ihre Meinung öffentlich zu bekunden und auf diese Weise zu Diskussionen über politische Fragen beizutragen, leistet das Department für öffentliche Erscheinungen eine bedeutende Arbeit. Indem es Menschen dazu motiviert, sich an einer Aktion zu beteiligen und die eigene Meinung zu artikulieren, wird diese für viele, vielleicht erstmals, als etwas wahr nehmbar, das den öffentlichen Raum tatsächlich zu prägen vermag. Diese Erfahrung senkt bei manchem gewiss die Hemmschwelle, die eigene Meinung kundzutun, ja weckt die Lust, künftig auch ohne die Initiative einer Künstlergruppe zu demonstrieren.“

Heinz Schütz: „Meinungsumfragen sind heute ein weit verbreitetes Mittel, das zu den unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt wird. Die Meinungsumfragen des Department für öffentliche Erscheinungen zeichnen sich nicht nur durch die ungewöhnlichen Verfahren der Meinungserhebung aus, sondern auch durch die unmittelbare Übersetzung der Meinungen in öffentliche Statements. [...] Die Befragung des Department verhilft den Stimmen der Passanten zum öffentlichen Ausdruck. Das entstehende öffentliche Bild wird nicht instrumentalisiert, es steht für sich und wird gleichsam ästhetischer Selbstzweck. Solcherart Partizipation unterscheidet sich von dem längst ins Exzessive gesteigerten Abstimmungs- und Bewertungsrausch, der die einst demokratische Forderung nach Partizipation mehr und mehr zu einem Mittel nicht der Freiheit, sondern der Totalkontrolle und Anpassung werden ließ.“

Weitere easyVote-Aktionen:

easyVote. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen